Lallingers Humor

Das Telefon klingelt.
„Hier bei Lallinger.“
„Ja, Muddler am Apparat, Damian Muddler. Herr Lallinger, ich rufe an wegen Ihres Vorrats an Humor.“
„Wegen welchem Vorrat?“
„Wie ich vernommen habe, werden dieses Jahr bei Ihnen keine Fasnachtsveranstaltungen stattfinden.“
„Ja, und? “
„Da müssen Sie doch jetzt ein Übermaß an Humor haben.“
„Ich weiß immer noch nicht, weshalb Sie anrufen.“
„Also die Sache ist die, ich wäre interessiert.“
„An was?“
„An Ihrem Humor. Ich würde Ihnen gerne etwas von diesem Humor abnehmen.“
„Das ist jetzt aber nicht Ihr Ernst. Ich kann Ihnen doch nicht meinen Humor abtreten.“
„Ich meine auch nicht den gesamten, vielleicht nur ein paar Späßchen. Es ist doch so, dass man im Nachhinein manches gar nicht mehr komisch findet.“
„Und wenn dann die Fasnacht doch stattfindet?“
„Das ist unwahrscheinlich. Schauen Sie, Herr Lallinger, auch der Humor hat ein Verfallsdatum. Das wissen Sie doch so gut wie ich. Schon nächstes Jahr können Ihre Pointen Vergangenheit sein.“
„Das, was Sie sagen, leuchtet mir ein. Aber ich möchte doch noch mal meine Frau Luise fragen, was sie dazu meint.“
Später klingelt das Telefon wieder. Lallinger nimmt ab.
„Hier bei Lallinger.“
„Muddler nochmal. Haben Sie inzwischen mit Ihrer Frau gesprochen?“
„Ja, das habe ich. Also, meine Luise meint, wir hätten nichts zu verschenken. Wenn die Fasnacht wieder nicht stattfindet, werden wir eine gehörige Menge an Humor für uns brauchen. Noch nötiger als im letzten Jahr.“

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1 Kommentar

  1. eva weitbrecht

    Vielen Dank, lieber Dieter Beck , für ein erneutes Lob auf die Vernunft der Frauen!

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